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Die Vorlesekultur in einer Familie gilt Leseforschern als der zuverlässigste Indikator für die spätere
Lesekompetenz eines Kindes.
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[…] Wir neigen heute dazu, Lesen und Schreiben zur reinen Informationsübermittlung in Kurzform zu nutzen, als SMS oder kurze E-Mai. Der Wert des literarischen Lesens besteht im radikalen Perspektivenwechsel, in Einfühlung – einer Fähigkeit, die gerade bei jungen Führungskräften heute optimierbar wäre.
Kinder merken mit einem fast unheimlichen Instinkt, was Erwachsenen wichtig ist und was nicht. Laut Stiftung Lesen liest ein Viertel aller erwachsenen Deutschen überhaupt keine Bücher. Eine Studie der Stiftung aus dem Jahr 2001 stellte außerdem fest, dass sich die Zahl der Mütter und Väter, die ihre Kinder systematisch für Bücher zu begeistern versuchen, innerhalb von zehn Jahren von 50 auf 25 Prozent halbiert hatte. Da ist es nur folgerichtig, dass die Hälfte der Sechs- bis Dreizehnjährigen in diesem Land zu Protokoll gibt, ››nie‹‹, ››gar nicht gern‹‹ oder ››nicht so gern‹‹ zu lesen.
So schädlich wie elektronische Überversorgung ist das Schweigen in den Familien. Der amerikanische Psychologe Todd Risley und die Sprachwissenschaftlerin Betty Hart fanden in einer Langzeitstudie heraus, dass sich zwischen Kindern aus unterschiedlichen Elternhäusern bis zum dritten Lebensjahr eine ››Wortlücke‹‹ von bis zu 30 Millionen Worten auftun kann, die zu den einen gesprochen werden – und zu den anderen nicht.
Quelle: Gaschke, Susanne: Familie Powerpoint. In: Die Zeit vom 12.11.2009, S. 19
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